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Sittkichkeit – 5. Sich enthalten von Berauschung (surameraya majjapamadatthana-veramani)

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5. Sich enthalten von Berauschung (surameraya majjapamadatthana-veramani).

Das Wertvollste, was der Mensch besitz, ist der Geist, oder vielleicht besser: das Geistige, sein Denkvermögen, seine Vernunft, seine Urteilskraft, im allgemeinen sein Bewußtsein. Wir haben den ganzen Komplex des Geistigen bereits früher in den vier Persönlichkeits-Gruppen Empfindung, Wahrnehmung, Gestaltung und Bewußtsein zusammengefasst. Nun dürfte wohl ohne weiteres evident sein, dass jedes Individuum, schon um der Erhaltung des Daseins willen, das größte Interesse daran hat, die geistigen Komponenten seiner Individualität möglichst ungebrochen, ungeschwächt, ungetrübt, möglichst klar und gesund zu erhalten. Nur mit einem gesunden, klaren Geist kann der Kampf ums Dasein erfolgreich geführt werden, kann ein Fortschritt im Leben erzielt werden, kann Wesentliches in Wissenschaft, Kunst, Literatur und nicht zuletzt in Hinsicht auf eine wirkliche Humanität geleistet werden, können weiterhin die menschlichen Beziehungen untereinander, sofern sie nicht durch Gier und Haß verdorben sind, zum frohen und glücklichen gestaltet werden, kann der Einzelne sich selber über das bloß Vitale, Triebhafte hinausentwickeln, wodurch er dann für jene höheren und reineren Regionen des Daseins reif wird, die Glück durchwoben sind und zu den Götterwelten gezählt werden können.

Man sollte es nicht für möglich halten, aber es ist doch Tatsache, dass dieser Geist, dieses kostbarste Gut, immer wieder und geradezu mutwillig durch allerlei Betäubungsmittel, speziell Alkohol und andere Narkotika, geschädigt und in Verwirrung gebracht wird, womit ein glückhaftes Schwelgen, ein wohltuendes Behagen, eine Beruhigung des brennenden Begehrens vermeintlich erreicht wird; aber dass dieses Glück und dieses Behagen viel zu teuer bezahlt werden muss, dass es nur auf Kosten der geistigen und leiblichen Gesundheit erlangt wird, dass es im Leiden wurzelt und zum Leiden führt, das wird im Momenten des Genießens völlig vergessen. Wenn noch daran gedacht wird, wenn in selben Momente die Einsicht durchschimmert, dass es besser wäre, in jeder Hinsicht besser, von den Berauschungsmitteln zu lassen, so ist die Gewöhnung daran meistens schon so stark geworden, dass die Kraft zu ihrer Bekämpfung nur noch schwer aufgebracht wird. Dann haben wir jene Elends und Schreckensbilder vor uns, wie sie der im Rausche Taumelnde und Torkelnde, schimpfen und tobende bietet. Dann haben wir das Bild des unter das Tier gesunkenen Menschen vor uns, der als Opfer seiner Leidenschaft aller Würde bar ist. Und wer trägt die Schuld?

Nicht die äußeren Umstände, nicht das Drängen anderer, nicht üble Sitten und Gebräuche, nicht von außen kommende Dinge. Nein! Ausschließlich und allein der Betreffende selber, denn er erntet, was er sät. Das der Mensch durch den Genus von Rauschmitteln geistig irgendwie vorwärts kommen könnte, dass er durch sie höhere Daseinsebenen zu erreichen imstande wäre, dass damit seine ethischen und sittlichen Qualitäten gehoben und gefördert werden könnten, kann und wird ja im Ernst niemand behaupten, ganz im Gegenteil; je mehr und je öfters Rausch– oder Betäubungsmitteln eingenommen werden, desto tiefer sinkt das Menschliche, das Körperliche und geistige Niveau des Genießenden, desto weiter entfernt er sich von der Entropie der Leidenschaften und des Leidens, von der wir bereits früher gesprochen haben. Glück und Leidlosigkeit wollen ja alle Menschen, überhaupt alle Wesen, aber wer der Sklave seiner Sinne geworden ist, der hat sich doppelt in das Leiden verstrickt. Da ist nur noch Abwärtsgleiten und Hineinsinken in die tieferen Regionen der Leidenswelt, in noch festere Verstrickungen und Bindungen an das Leidvolle. Das Glück des Rausches und des Sinnentaumels ist nicht das Glück, das diesen Namen verdient, denn es ist ein Trugbild, eine bloße Vorspiegelung, eine Selbsttäuschung, der jeweils ein leidvolles Erwachen folgt. Nicht das kurze Befriedigt sein eines Begehrens, nicht die ephemere Lust, nicht der Sinnentaumel führt zum Glück der Leidlosigkeit, sondern die Überwindung des Begehrens und der Lust, das Abstehen von den Sinnengenüssen, das Loslassen des Objektes der Leidenschaft, das ist es, was Ruhe und Gelassenheit bringt, Frieden und wirkliches Glück.

Es ist nicht das Rauschmittel, das zu verurteilen ist, sondern die Berauschung, denn diese ist es, die den Menschen in den entwürdigenden Zustand versetzt, in welchem er seiner Sinne nicht mehr mächtig ist. Jede Berauschung, auch wenn sie nicht zur Gewohnheit geworden ist und nur hier und da vorkommt, schädigt. Sie schädigt nicht nur, sondern wirkt sich auch schädigend in der Zukunft aus. Das Denken wird stumpfer, die Überlegungen getrübter, die daraus sich ergebenden Handlungen und Worte sind minderwertiger, sittliche Hemmungen werden geschwächt oder aufgehoben, und es ist so, dass nicht nur diesem Leben die Folgen der Berauschung zu tragen sind, sondern auch in den Existenzen der Zukunft. Berauschung schädigt in allererster Linie den Geist und führt zu Schwachsinn. So gehen wir nicht fehl, wenn wir jene unglücklichen Gestalten, jene Kenntnis, die mit ihren täppischen Bewegungen und blödem Lächeln ein trauriges Dasein manifestieren, als Folgeerscheinungen vorgeburtlicher Trunkenheit und Unmäßigkeit betrachten. Würde sich ein solch unglückliches Geschöpf an die Ursachen seines jetzigen Elends zurückerinnern können, so würde es bestimmt den Vorsatz fassen, künftig von allen berauschenden Getränken und genüßlichen Betäubungsmitteln und deren Missbrauch abzustehen. Berauschung hat Leiden zur Folge und darum ist „Sie“ zu meiden. Berauschung ist unsittlich, weil sie nicht nur den Berauschten selber schädigt, sondern auch seine Mitmenschen, insoweit sie mit ihm in Verbindung stehen. Darum heißt es wachsam sein und sich im Zaume halten, wenn der Weg zur Erlösung mit Erfolg begangen werden soll.

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