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Seine Heiligkeit Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche

Mittwoch 18. November 2015

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Seine Heiligkeit Drikung Kyabgön Chetsang, der 37. Thronhalter der Drikung Kagyü Linie und die 7. Reinkarnation des Chetsang Rinpoche, ist eine Manifestation von Chenrezig (Avalokiteshvara).


Seine Heiligkeit Drikung Kyabgön Chetsang Rinpoche

Drikung Kyabgön Chetsang, Konchog Tenzin Kunsang Thrinle Lhündrup, wurde am 4. Tag des 6. tibetischen Monats im Feuer-Hund-Jahr 1946 in die aristokratische Familie Tsarong in Lhasa geboren. Dies ist der Jahrestag, der an den Beginn der Lehrtätigkeit des historischen Buddha erinnert. Viele wunderbare Zeichen und Visionen begleiteten seine Geburt. Sein Großvater, Dasang Damdul Tsarong (1888-1959), war der Favorit des 13. Dalai Lama (1876-1933), Oberbefehlshaber der tibetischen Armee und eine der einflussreichsten politischen Führungspersönlichkeiten im frühen 20. Jahrhundert in Tibet. Chetsangs Vater, Dundul Namgyal Tsarong (geb. 1920), bekleidete einen hohen Posten in der tibetischen Regierung und war auch nach der Flucht des Dalai Lama und des Kabinetts in wichtigen Funktionen für die Exilregierung in Dharamsala tätig. Seine Mutter, Yangchen Dolkar, entstammt der Adelsfamilie der Ragashar, die ihre Herkunft vom alten Königshaus herleitet.

Wenige Jahre nach dem Tod des vorangegangenen Drikung Kyabgön, Shiwe Lodrö (1886-1943), begannen zwei Gruppen von Mönchen in ganz Tibet nach der Wiedergeburt des Linienhalters zu suchen. Aufgrund einer Vision, die dem Drikung Regenten, Tritsab Gyabra Rinpoche (1924-1979), am Orakelsee Lhamo Latso zuteil wurde, und vieler weiterer divinatorischer Hinweise wurde 1950 der Sohn der Tsarong Familie als Reinkarnation des Drikung Kyabön erkannt. Nachdem der Junge bei traditionellen Tests unter einer Vielzahl von religiösen Gegenständen nur jene auswählte, die seinen Vorgängerinkarnationen gehörten, wurde er unabweisbar als Wiedergeburt durch weitere Divinationen von Taktra Rinpoche, dem Regenten Tibets, von S.H. dem 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje (1924-1981) und von S.H. Taklung Matrul bestätigt.

Im Herbst 1950 erfolgte die formelle Inthronisierung als Drikung Kyabgön Chetsang in Drikung Thil, dem Hauptkloster des Drikung Kagyü Ordens. Unmittelbar darauf kam es zur ersten chinesischen Invasion. Rinpoche durfte seiner Familie nach Kalimpong in Nordindien folgen, wo sie sich in Sicherheit brachte. Sein älterer Bruder und seine beiden Schwestern besuchten dort englische Internatsschulen. Nach einigen Monaten wurde Rinpoche von einer Abordnung des Drikung Klosters abgeholt und nach Tibet zurückgebracht.

Gemäß alter Tradition residierte Chetsang Rinpoche in Drikung abwechselnd in einem der vier Hauptklöster: Im Frühling in Drikung Tse, im Sommer in Yangrigar, im Herbst in Drikung Thil und im Winter in Drikung Dzong, das zugleich Verwaltungszentrum von Drikung war. Seine klösterliche Ausbildung stand unter der Anleitung seiner spirituellen Lehrmeister und Mentoren (Yongzin) Tritsab Gyabra Rinpoche und Ayang Thubten Rinpoche (1899-1966). Der Lehrplan umfasste Lesen, Auswendiglernen, Astrologie und Grammatik. Alsbald erhielt er die grundlegenden Ermächtigungen, Übertragungen und Unterweisungen der Kagyü Tradition und der Drikung Kagyü Tradition im Speziellen durch seine Yongzin, sowie durch Bhalok Thupten Chödrak Rinpoche und durch die osttibetischen Meister Lho Bongtrul Rinpoche und Nyidzong Tripa.

Im Alter von 11 Jahren erteilte er während des Drikung Phowa Chenmo im Affenjahr 1956 in Drongur eine Langlebensweinweihung – seine erste öffentliche Belehrung und Übertragung. Bald danach begann er seine philosophischen Studien an der buddhistischen Hochschule Nyima Changra von Drikung. Obwohl er vier Jahre jünger war, studierte er gemeinsam mit dem zweiten Drikung Linienhalter, Chungtsang Rinpoche (geb. 1942). Sein Lehrer war Böpa Tulku Dongag Tenpa (1907-1959), der ihn in die Philosophie des Madhyamaka einführte. Zuerst studierte er grundlegende Texte, wie Die 37 Übungen der Bodhisattvas von Ngulchu Thogme Zangpo (1295-1369) und Lebensführung im Geiste der Erleuchtung (Bodhicharyāvatāra) von Shāntideva (8. Jh.).

Bald danach brach über die Tibet die Katastrophe herein. Als im Zuge der Niederschlagung des Volksaufstands 1959 viele Tibeter flohen, unter ihnen der Dalai Lama, die Kabinettsminister und eine Vielzahl von spirituellen Würdenträgern, wurde mehrfach der Versuch unternommen, auch Chetsang und Chungtsang Rinpoche außer Landes in Sicherheit zu bringen. Diese Versuche scheiterten am unerbittlichen Widerstand des Klosterverwalters. Rinpoches Familie hatte bereits 1956 das Land verlassen. Nur sein Großvater war in Tibet zurückgeblieben.

Die Mönche in den Drikung Klöstern wurden unter Hausarrest gestellt, und Chetsang Rinpoche musste mit ihnen monatelang kommunistische Indoktrinationen durch die chinesischen Besatzer erdulden. Nach einigen Monaten nahm Tritsab Gyabra, der einige Jahre davor das Kloster verlassen hatte, Rinpoche bei sich in Lhasa auf, wo er in einfachsten Verhältnissen lebte. 1960 gelang es Chetsang Rinpoche, in eine Grundschule zugelassen zu werden, wo er in kürzester Zeit den Lehrstoff mehrerer Klassen bewältigte. Anschließend wurde er in die Jerag Lingka Mittelschule aufgenommen. Dort studierte er mit Eifer viele Fächer, darunter Chinesisch, Naturwissenschaften, Geschichte und Biologie. Er wurde auch ein begeisterter Sportler, spielte mit Leidenschaft und großem Können am liebsten Fußball.

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Drikung Kyabgon Chetsang Rinpoche

Als mit Ausbruch der Kulturrevolution 1966 die Roten Garden die Schulen infiltrierten, fand sich Chetsang Rinpoche mitten in den Fraktionskämpfen zweier rivalisierender Gruppen von Rotgardisten wieder. Der Unterricht und das Geschäftsleben kamen zum Erliegen. Viele Adelige und Rinpoches mussten brutale „Volkstribunale“, die berüchtigten Kampfsitzungen, über sich ergehen lassen. Chetsang Rinpoche konnte sich nicht mehr mit Tritsab Gyabra sehen lassen, der in Ungnade gefallen war. Er wohnte in der Mittelschule, wo er für die wenigen dort verbliebenen Mitschüler kochte und die Bücher studierte, die er in der Schulbibliothek fand. Lhasa versank im Chaos, und in dieser Atmosphäre der Anarchie entging Rinpoche mehrfach dem Tod nur mit knapper Not.

1969 wurde er einer Kommune in Thölung in der Nähe von Lhasa zugewiesen, wo er die härtesten Arbeiten verrichten musste. Einen halb verfallenen Verschlag über einem Schafpferch, in dem es von Ungeziefer wimmelte, erhielt er als Wohnstatt. Mehr als einen Kochtopf, eine Tasse und ein paar Holzlatten als Schlafstatt besaß er nicht. Ein Onkel, der ihn eines Tages besuchte, brach in Tränen aus über seine schäbigen Lebensumstände. Chetsang Rinpoche aber reagierte auf die die vielen Umwälzungen in seinem Leben stets mit großer Gelassenheit. Als der Onkel seinen heiteren Gleichmut bemerkte, verglich er ihn mit Milarepa, der in Berghöhlen sein äußerlich karges, doch innerlich überaus reiches spirituelles Leben zubrachte.

Im Frühjahr und Sommer schuftete Chetsang Rinpoche auf den Feldern der Arbeitseinheit. Im Herbst bestieg er unter großen Anstrengungen steile Berge, um schwere Lasten von Feuerholz für die Kommune herbeizuschaffen. Im Winter musste er die Gülle aus den Toilettenanlagen von Lhasa ausschaufeln und zur Farm schaffen. Trotz der unmenschlich harten Arbeit half Chetsang seinen Schicksalsgenossen, wo er nur konnte. Niemand wusste, dass er der Drikung Kyabgön Rinpoche ist, aber sein außerordentliches Wirken setzte viele in Erstaunen.

Durch seinen Klassenhintergrund als Adeliger und hohe Lamainkarnation hatte Chetsang Rinpoche im kommunistisch besetzten Tibet keine Perspektive mehr. Nach langer Vorbereitung floh er 1975, zu einer Zeit, als China über ganz Tibet ein lückenloses System von Spitzeln eingerichtet hatte und das Militär das ganze Land rücksichtslos kontrollierte, so dass es nur noch wenigen gelang, aus Tibet zu entkommen. Allein und ohne Hilfe machte er sich über hohe Pässe und Gletscher auf die Flucht. Der Drikung Chetsang Rinpoche schaffte das unmöglich Geglaubte. Unbeschadet erreichte er Nepal und schließlich die Residenz des Dalai Lama in Dharamsala.

Rinpoche entsprach er der Bitte der Drikung Lamas im Exil und wurde bei einer Zeremonie mit dem Dalai Lama abermals symbolisch als Drikung Kyabgön inthronisiert. Dadurch brachte er zum Ausdruck, dass er in Zukunft die Verantwortung für die Linie übernehmen wird. Zunächst begab er sich allerdings in die USA, wohin seinen Eltern mittlerweile ausgewandert waren. Dort lernte er Englisch, während er sich seinen Lebensunterhalt in der Küche eines McDonalds Restaurants verdiente.

Im dritten Jahr seines Aufenthalts in den USA, erhielt er einen in Nepal entdeckten, sehr seltenen, alten tibetischen Text über die Geschichte der Thronhalter des Drikung Ordens aus der Feder seiner früheren Inkarnation, des 4. Chetsang Peme Gyaltsen (1770-1826). Daraufhin begann er dieses Werk zu analysieren, die Geschichte Tibets, der Drikung Kagyü und seiner eigenen Vorgängerinkarnationen zu studieren. Kurz danach kehrte er 1978 nach Indien zurück, um als Thronhalter die Führung des Drikung Kagyü Ordens zu übernehmen.

Über die vielen Jahre hinweg im besetzten Tibet und in den USA hatte der Drikung Kyabgön äußerlich ein Laienleben geführt. Dennoch hatte er stets seine Mönchsgelübde eingehalten. Nun nahm er sein Mönchsleben wieder auf und richtete seine Residenz zunächst im Kloster Phyang in Ladakh ein. Im Kloster Lamayuru in Ladakh unterzog er sich sogleich der traditionellen Drei-Jahres-Klausur unter dem strengen Klausurmeister Kyunga Sodpa Gyatso Rinpoche (1911-1980). Er studierte mit zahlreichen bedeutenden Lamas und Rinpoches verschiedener Schulen und erhielt von ihnen viele Ermächtigungen und Unterweisungen. Als einen seiner wichtigsten Lehrer betrachtet er Dilgo Khyentse Rinpoche (1910-1991), von dem er die essentiellen Belehrungen der acht Schulen des Tibetischen Buddhismus erhielt (Dam Ngag Dzö), die höchsten Dzogchen-Belehrungen (Nyingtig Yashi), sowie die gesammelten Schriften von Jamgön Kongtrul (Gyachen Kadzö) und den Schatz der mündlichen Kagyü Übertragungen (Kagyü Ngag Dzö). Er erhielt zudem kostbare Belehrungen und Ermächtigungen von S.H. dem Dalai Lama (Chakrasamvara, Kālachakra und Yamantāka), von S.H. dem 16. Karmapa (Sechs Yogas von Nāropa und Milarepa), von S.H. Taklung Shabdrung Rinpoche (Übertragung der Taklung Kagyü Lehren) und von S.H. Taklung Tsetrul (Die Nördlichen Schätze). Buddhistische Philosophie studierte er unter Khenpo Noryang im Drukpa Kagyü Kloster Sangnag Chöling in Bhutan, der ihm Belehrungen über das Bodhicharyāvatāra von Shāntideva, das Madhyamakāvatāra von Chandrakīrti und das Uttara-Tantra erteilte. Khenpo Noryang gab ihm auch verschiedene Übertragungen der allgemeinen Kagyü Tradition und die speziellen Belehrungen der Drukpa Kagyü über Mahāmudrā. Wichtige Drikung Kagyü Ermächtigungen und Belehrungen zu Mahāmudrā gaben ihm auch S.E. Garchen Rinpoche und Drubwang Konchog Norbu.

Im Jahre 1985 legte Drikung Kyabgön in Bodhgaya vor Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama die Gelübde eines voll ordinierten Mönchs ab. Alle Herausforderungen meisterte er mit erstaunlicher Leichtigkeit. Seit 1987 begann Chetsang Rinpoche in vielen Ländern der Welt Unterweisungen zu geben. Mit Tatkraft ging er zugleich daran, der schwach gewordenen Schule der Drikung Kagyü neues Leben einzuhauchen. Im indischen Dehra Dun etablierte er ein Kloster und ein Ausbildungszentrum, das seinesgleichen sucht und eine enorme Anziehungskraft auf Mönche aus Tibet und Praktizierende aus allen Teilen der Welt ausübt: das Drikung Kagyu Institute. Zunächst bestand es aus dem Kloster Jangchubling und dem Klausurzentrum und Nonnenkloster Samtenling. Besonderes Augenmerk wird auf die traditionelle und die westliche Schulung gelegt, aber auch auf Disziplin, Meditationspraxis und die Besonderheiten der Drikung Kagyü Ausbildung. Im Jahre 2003 eröffnete Chetsang Rinpoche in der Nähe seines Klosters eine prachtvolle Bibliothek als ein Studienzentrum für Tibet und die Himalaja-Region: die Songtsen Bibliothek. Ein Bauwerk, das nach Inhalt, Funktion und Form die Essenz seiner Vision verkörpert und ein Schatzhaus und lebendiges Labor für die kulturelle und spirituelle Identität der Himalaja-Völker und der Drikung Linie im Besonderen darstellt. Es enthält seltene Schriften zu allen Themenbereichen der Himalaja-Region, Arbeiten über tibetische Kultur und Tradition, landeskundliche Werke und natürlich die buddhistischen Texte aller Schulrichtungen. Eine bedeutsame Sammlung umfasst die Dokumente aus dem berühmten reichen Schriftenfund aus den Höhlen von Dunhuang an der Seidenstraße. Dort wurde eine unvorstellbare Menge an Texten aus dem 4. bis 11. Jh. in diversen Sprachen entdeckt. Allein die tibetischen Texte umfassen tausende von Handschriften zu den unterschiedlichsten Themen, einschließlich der ältesten bekannten tibetischen medizinischen Zeichnung. Es handelt sich um unschätzbares Quellenmaterial für das Studium der Frühzeit Tibets, das Chetsang Rinpoche, dem es um einen umfassenden Ansatz zur Erhaltung der tibetischen Kultur und Religion geht, vollständig zugänglich machen will. Im Jahr 2005 errichtete er neben der Bibliothek eine große Hochschule für buddhistische Studien (Shedra), das Kagyu College. Mit ihrer Errichtung ist das neue Drikung Mandala vollständig.

Diese Kurzbiographie wurde von Dr. Elmar R. Gruber zusammengestellt, der auch die Biographie von S.H. Drikung Kyabgön Chetsang in dem Buch "Aus dem Herzen Tibets" verfasst hat.

- www.drikung.de
- The Drikung Kagyu Lineage of Tibetan Buddhism




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