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Meditation für Lügner

Donnerstag 23. September 2010, von Nanny Obame

Langues :



Einst lebte in Indien ein Mann namens Taganapa, das heißt „der, der immer lügt“. Die Leute hatten ihm diesen Namen zu Recht gegeben, denn wann immer Taganapa den Mund aufmachte log er. Er konnte einfach nicht anders. Es war ihm ein inneres Anliegen, die Menschen hinters Licht zu führen. Natürlich glaubte ihm schon längst niemand mehr.

So saß er nunmehr am Straßenrand und überlegte, wie er dennoch jemanden täuschen könnte. Da kam ein weiser Mönch vorbei, einer jener wandernden Siddhas:

„He du! Ja, du da am Straßenrand, was machst du, worüber sinnst du nach?“

„Ach ehrwürdiger Mönch, fragt mich nicht. Es ist besser wenn ihr mich nicht fragt.“

Nun sind diese Siddhas dafür bekannt, dass sie sehr schnell alles durchschauen. Auch diesem wandernden Mönch war sofort klar, was mit Taganapa los war, als dieser sich weigerte zu antworten.

„Du bist ein Lügner. Ein gemeiner und dummer Lügner. Gemein deswegen, weil du versuchst andere durch deine Lügen leiden zu lassen. Dumm deswegen, weil du dir dadurch selber Leiden zufügst. Lüge nicht mehr, sonst wird für die Lügen ganz normal. Du lebst dann in einer falschen Welt. Das führt zu Leiden. Außerdem stinkt der Atem des Lügners.“

Offensichtlich war die Art des Mitgefühls, die der Mönch mit Taganapa hatte nicht von der süßlichen Art, wie es die Übersetzung „Liebende Güte“ für Metta (Pali) nahe legt.

Taganapa war über diese Antwort entsetzt. Der Mönch ignorierte ihn nicht, Er konnte nicht getäuscht werden. Er blickte voll durch und malte die Konsequenzen von Taganapas Fehlverhalten aufs Deutlichste aus. Er war durchschaut worden!

„Ehrwürdiger, es stimmt. Aber ich kann nicht anders. Ich kann leider nicht die Wahrheit sagen, das ist so meine Art. Es ist ein entsetzlicher Zwang. Könnt Ihr mir helfen?“

„Kannst du eine Sadana, eine Meditation durchführen?“

„Ich glaube schon. Ich kann es jedenfalls einmal versuchen. Allerdings nur, wenn ich dafür nicht aufhören muss zu lügen.“

„Es gibt auch Meditationsmethoden für Lügner.“

„Bitte lehrt mich diese, Ehrwürdiger.“


„Nun es ist die Methode die da heißt: Ins Ohr gekommenes Wasser entfernen – und zwar mit Wasser. So wirst du den Geschmack des Dharma, der Lehr der Buddhas gewahr werden.“

„? ? ?“


„Meditiere über die ganze Welt als eine Lüge. Alle Elemente sind trügerisch. Nichts ist so wie es aussieht. Alles, was du siehst, ist in Wirklichkeit nicht so, wie du es siehst. Alles was du hörst, ist nicht wirklich, deine Ohren belügen dich! Vertraue keine deiner Sinneswahrnehmungen, das sind alles Lügen. Denke über alles als eine Lüge nach. Auch du selbst bist nur eine Lüge, dich gibt es nämlich gar nicht!“


Taganapa meditierte sieben Jahre lang über die Welt als eine einzige Lüge. Gemeinhin sehen wir das, was wir sehen, für real an, für substantiell. Wir sehen den Monitor eines PCs und glauben, er würde existieren. Aber es gibt gar keinen Monitor. Da steht etwas Plastik, einige Metallteile, etwas Glas. Merkwürdige elektronische Bauteile. Aber kein Monitor. Der existiert nur in deinem Kopf. Auch das Plastikteil in deiner Hand ist keine Maus. Es ist Plastik, da sind Tasten und da ist der Schmutz deiner Hand dran. Welcher Hand? Du hast gar keine Hand. Das bildest du dir nur ein. Da ist etwas Haut, Knochen, vielleicht ein Ring, Fingernägel und Dreck unter den Nägeln. Du kannst das nicht einmal richtig erkennen, weil es dich nicht gibt. Du hast auch keinen Geist. Wo sollte der denn sitzen? Vielleicht wie der Dreck unter den Fingernägeln? Im Herzen??? Und bei der Herztransplantation wird der Geist mitverpflanzt? Im Hirn??? Komme mir nicht so, da sind kleine graue Zellen, da sind Blutgefäße und Synapsen. Aber kein Geist. Kein Ich. Alles leer! Wie sollte der auch aussehen, der Geist: rund oder eckig? Blau oder gelb? Nein, das ist Quatsch, den gibt es nicht. Also keine Monitor, keine Maus, keine Hand und du bist auch nicht da. Es ist noch schlimmer: auch die Geschichte, die du gerade zu lesen glaubst, gibt es nicht. Weil hier niemand ist, der diese Geschichte schreibt. Diese Geschichte existiert nicht außerhalb von dir. Die Geschichte ist die Geschichte einer dunklen Erinnerung, einer Traumvision.


Du hast sie in der Vergangenheit gelesen. Es gibt nämlich nur die Vergangenheit. Der Satz den du eben liest, ist jetzt schon Vergangenheit. Es gibt die Lüge der Illusion und die Lüge der Realität. Beide sind die gleiche Lüge.


So meditierte Taganapa über die Lüge sieben Jahre lang. Er erkennt, das alles eine Lüge ist, das alle Phänomene nur Illusionen sind, auch er selbst. So wurde Taganapa allmählich ruhiger. Es ist die Ruhe, die entsteht, wenn uns Gier und Wut verlassen. Da glaubte er, er sei erleuchtet. Er suchte den Mönch auf und erzählte ihm von dem, was er in der Meditation erfahren hatte.


„Nein, Tagnapa, du bist keineswegs erleuchtet, du hast bislang lediglich die Leerheit alles Bestehenden erkannt. Dies ist ein wichtiger Schritt. Der Weg aber geht weiter. Die Elemente der Erfahrung sind weder da noch nicht da. Die Realität ist nicht erschaffen und ohne Ziel. Deine Aufgabe, nachdem du die Leerheit erkannt hast, ist, die Leerheit der Leerheit zu erkennen.“


Auf diese Weise meditierte Taganapa weiter, bis er auch die Leerheit der Leerheit realisiert hatte. Nun konnte er selbst lehren. Er lehrte die Methode die da heißt: Ins Ohr gekommenes Wasser entfernen – und zwar mit Wasser.


Die Lügenmeditation hat keinen Wert an sich, sie ist nur instrumentell. Es geht dabei einzig darum unser konzeptionelles Denken zu überwinden. Dies jedoch könnte zu Nihilismus führen, deshalb darf man dabei nicht stehen bleiben. Die Leerheit wirklich zu erkennen geht weiter. Letztendlich ist die Leerheit die Leerheit von Leerheit.


So zeigt uns diese Geschichte zweierlei. Erstens: man kann keine Aussage über irgend etwas machen, wir müssen die Realität daher als solche, in ihrer Soheit annehmen, als gleichzeitiges Entstehen von Erscheinung und Leerheit. Und die zweite Aussage der Geschichte ist vielleicht noch wichtiger, auf jeden Fall aber einfacher verständlich: Jeder kann die buddhistische Lehre praktizieren, keine Ausrede gilt. Kein Vorwand hilft. Noch nicht einmal der, ein notorischer Lügner zu sein. Wenn wir nicht praktizieren wollen, so sind wir selbst dafür verantwortlich. Es gibt keine Sachzwänge, die uns derzeit daran hindern zu meditieren. Das ist die Lehre der Siddhas: keine Ausrede zieht. Setz dich hin und fang an. Computer aus!


erzählt von Horst Gunkel


Quelle : Ton lien

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