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Thích Nhất Hạnh

Montag 21. März 2016

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Thích Nhất Hạnh ([tʰik35 ɲɜt35 hɐʲŋ3ʔ1]; * 11. Oktober 1926 als Nguyễn Xuân Bảo in Thừa Thiên, Zentralvietnam) ist ein buddhistischer Mönch, Schriftsteller und Lyriker. Thích ist ein Titel vietnamesischer Mönche.
Thích Nhất Hạnh gehört zur 42. Generation der Linji-Linie (japanisch: Rinzai). Neben dem Dalai Lama ist der Autor zahlreicher Bücher einer der profiliertesten zeitgenössischen Meister der buddhistischen Lehre und schon seit seiner Jugend dezidierter Vertreter eines „engagierten Buddhismus“ und somit einer der Schirmherren des INEB. Retreats und Vorträge führen den Lehrmeister rund um die Welt.

Leben

Thích Nhất Hạnh wurde mit 16 Jahren im Từ Hiếu-Tempel in Huế zum Mönch ordiniert. Schon früh interessierte er sich neben den Texten der Mahayana-Tradition auch für Schriften anderer Schulen, insbesondere für die des Theravada. Auch europäische Philosophen und Religionstheoretiker fesselten ihn. 1957 errichtete er mit Freunden im Dai-Lao-Wald das Phuang-Boi-Kloster, wo er für einige Jahre lebte.

1961 erhielt er ein Forschungsstipendium für vergleichende Religionswissenschaften an der Universität Princeton.
Er war Mitbegründer der „Vereinigten Buddhistischen Kirche von Vietnam“ (1963), die sich der Theravada- (frühbuddhistische, südliche Schule) und Mahayana-Tradition (spätere, nördliche Schulrichtung) gleichermaßen verpflichtet fühlt. Unter der Schirmherrschaft der „Vereinigten Buddhistischen Kirche von Vietnam“ wurde 1965 die „Schule der Jugend für Soziale Dienste“ (SYSS) gegründet, die aus Mönchen und Laienpraktizierenden bestand, die den Dörfern auf dem Land beim Aufbau von Schulen und Krankenhäusern halfen. Während des Vietnamkrieges half die SYSS beim Wiederaufbau der bombardierten Ortschaften, wodurch die Hilfsorganisation immer wieder zwischen die Fronten geriet und zahlreiche ihrer Mitglieder ums Leben kamen.
Ein wichtiger Schritt im Leben Thích Nhất Hạnhs war 1966 die Gründung des „Tiep-Hien-Ordens“, des „Orden des Interseins“. Aufgabe des Ordens war die praktische Umsetzung der buddhistischen Lehre in konkreten Sozial- und Friedensprojekten.

1967 – bei einem erneuten Aufenthalt in Amerika – wurde Thích Nhất Hạnh von Martin Luther King für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen. Nach dem Treffen mit dem buddhistischen Mönch sprach sich Martin Luther King erstmals öffentlich gegen den Vietnamkrieg aus. 1969 war Thích Nhất Hạnh Mitglied der buddhistischen Delegation bei den Friedensverhandlungen für Vietnam in Paris. Dort gründete er im selben Jahr die Vereinigte Buddhistische Kirche. Die kommunistische Regierung untersagte ihm Ende der 60er Jahre die Einreise in sein Vaterland.

Nach einigen Jahren in Paris gründete er 1971 mit Weggefährten die Landkommune „Les Patates douces“ (Die Süßkartoffeln) bei der Ortschaft Fontvannes, 150 km südöstlich von Paris, und schuf 1982 schließlich in der Nähe von Bordeaux das Praxiszentrum „Plum Village“ (Village des Pruniers). Jedes Jahr finden dort Retreats statt, die von tausenden von Menschen aus der ganzen Welt besucht werden.

Die Weiterführung des sozialen Engagements für Vietnam waren Thích Nhất Hạnh und seinen Wegbegleitern in Frankreich stets ein zentrales Anliegen. Hierzu zählen neben Projekten für die medizinische Versorgung auch die Unterstützung der Boat People (Vietnamflüchtlinge). In Plum Village – insbesondere in den 90er Jahren – verfasst Thích Nhất Hạnh eine Vielzahl von Büchern, die sich im Wesentlichen an ein westliches Publikum wenden und die praktische Umsetzung der buddhistischen Lehre im Alltag zum Thema haben. Im Januar 2005 kehrte er erstmals nach 39 Jahren Exil wieder für drei Monate in seine Heimat Vietnam zurück, wo er Vorträge und Retreats im ganzen Land abhalten konnte.

2008 initiierte er in Waldbröl (Deutschland, Nordrhein-Westfalen) die Gründung des Europäischen Institutes für Angewandten Buddhismus (EIAB) und erfüllte sich damit einen Lebenstraum. Das EIAB residiert im Gebäude der ehemaligen Bundeswehrakademie Waldbröl, wo derzeit noch renoviert wird und neue Brandschutzauflagen erfüllt werden müssen. Es finden dort - in der ebenfalls erworbenen benachbarten ehemaligen Zivildienstschule - aber bereits Retreats in der Tradition von Plum Village statt. Leiter des Institutes ist Thay Phab An – ein Schüler von Thích Nhất Hạnh.



Die buddhistische Lehre und besondere Akzente bei Thich Nhat Hanh

Die buddhistische Schule von Thích Nhất Hạnh kann man mit dem Begriff des Schweizer Dharmalehrers Marcel Geisser treffend als „Sati-Zen“ bezeichnen. Thích Nhất Hạnh hat Elemente des Frühbuddhismus (Theravada) integriert, insbesondere solche der Achtsamkeitspraxis (sati ist der Palibegriff für Achtsamkeit). Diese Grenzen sprengende, große Offenheit gegenüber verschiedensten buddhistischen Traditionen kennzeichnet das Denken von Thích Nhất Hạnh. Vor allem dieser Offenheit - auch westlichem Gedankengut gegenüber - ist es zu verdanken, dass der vietnamesische Mönch eine Darlegung und Praxis der Buddha-Lehre entwickeln konnte, die keine bloße Imitation asiatischer Riten und Traditionen ist, sondern eine auch dem westlichen Menschen angemessene Form spiritueller Praxis eröffnet. Orthodoxen buddhistischen Kreisen geht Thích Nhất Hạnhs Lehrauslegung mitunter zu weit - wobei schon der Buddha betonte, dass auch seine eigene Lehre (wie alle Dinge) dem Wandel unterliegt und stets in der Darstellungsform der jeweiligen Zuhörerschaft und ihrem spezifischen historisch-sozialen Kontext angepasst werden muss.
Folgende Schwerpunkte kennzeichnen Thích Nhất Hạnhs Denken:

Vorrang der Praxis
Obwohl Thích Nhất Hạnh auch auf höchstem Niveau über philosophische Aspekte des Buddhismus schreiben und reden kann, betont er doch immer wieder, - und da ist er ganz Zenmeister - dass letztlich nur eine kontinuierliche meditative Praxis zu wirklicher spiritueller Reife führen wird. Eine unverzichtbare Stütze in der Praxis ist die Sangha, eine Gemeinschaft, wie klein auch immer, deren Mitglieder sich gegenseitig in der Praxis stützen.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist die Kunst, im jedem Moment „geistig präsent“ zu sein und somit „voll und ganz in der Gegenwart“ zu leben. Dazu ist wegen bestimmter Eigenheiten psychischen Reagierens von uns Menschen das stetige aktive Bemühen erforderlich, jeden einzelnen Augenblick des Tages in gleichbleibend hoher Wachheit mit absichtlich aktivierter Aufmerksamkeit bewusst wahrzunehmen. Besonders hohe Achtsamkeit erfordern wegen ihres mitreißenden Charakters dabei die eigenen „Gefühle“ oder Emotionen, insbesondere solche „negativer Art“ wie Ärger und Wut, Angst oder Verzweiflung usw. Gelingt es, gefühlsmäßige Reaktionen aller Art in der Haltung unerschütterlicher Achtsamkeit zu registrieren und zu verfolgen, werden ihre Auswirkungen allein dadurch bereits abgeschwächt; mit der Zeit können negative Reaktionen somit eine heilsame Transformation erfahren. In seiner methodischen Anwendung der Achtsamkeitsmeditation oder Vipassana führt Achtsamkeit darüber hinaus zum direkten, immer genaueren und detaillierteren Erfassen der Essenz der Dinge und damit zu nicht durch diskursives Denken vermittelter, deswegen auch von keinerlei Vorurteilen oder Vorerfahrungen beeinflussten unmittelbaren und bewussten Einsicht.

„Interbeing“
Dieser von Thích Nhất Hạnh geprägte (im Deutschen in der Regel mit „Intersein“ wiedergegebene) Begriff bezieht sich auf die Allverwobenheit sämtlicher Phänomene, das Eingebettetsein aller Dinge in ein unendlich komplexes Netz von Beziehungen. Alles existiert nur im Rahmen solcher Beziehungen, alles unterliegt vielfachen Bedingtheiten (vergleiche Bedingtes Entstehen).



Ethik
Zu den Verdiensten von Thích Nhất Hạnh zählt es, dass er die buddhistische Ethik auf der Grundlage der Fünf Silas in eine zeitgenössische Sprache übersetzt hat. Seine „5 Achtsamkeitsübungen“, deren heutige Form einem jahrzehntelangen gedanklichen Reifeprozess entspringt, bieten Menschen der heutigen Zeit eine klare ethische Richtlinie für ihr Handeln und für ein Leben in Verantwortung für den Nächsten.

Auch die „14 Regeln des Intersein Ordens“ (1966) formulieren einen klaren ethischen Rahmen und fordern den Praktizierenden überdies auf, seine eigenen Glaubensgrundsätze kritisch zu hinterfragen und zu erkennen, dass auch buddhistische Lehrmeinungen keine absoluten Wahrheiten sind. Diese kritische Distanz zu den eigenen tiefsten Überzeugungen zeigt das hohe reflektorische Niveau dieser Lehre, oder - anders betrachtet - ihre tiefgründige Weisheit. Im Jahr 2009 geriet Thích Nhất Hạnh in die Kritik, weil er als Gesellschafter die gGmbH der "Europäischen Gesellschaft für Angewandten Buddhismus" in Waldbröl mit einer Einlage von 10.000 Euro mitbegründete und damit gegen eine seiner eigenen (und der üblichen Ordens-) Regeln verstieß, die die Investition in Immobilien untersagt. Thích Nhất Hạnhs Auslegung der Buddhalehre ist ganz dem Bodhisattva-Ideal verpflichtet: Die eigene Praxis auf dem Weg der Leidbefreiung steht immer in Bezug zum Dienst am Mitmenschen. Beides ist nicht voneinander zu trennen - vor allem nicht, wenn man sich für den Frieden in der Welt engagieren will: „Peace in oneself - Peace in the world“. Bevor man nicht mit sich selbst Frieden geschlossen hat und den Krieg im eigenen Herzen und Kopf beendet hat, wird man seinen Mitmenschen nicht wirklich eine Hilfe sein können.

Sutras

Ein Sutra ist eine buddhistische Lehrrede. Folgende Texte spielen in der Plum-Village-Schule ein zentrale Rolle: Diamant-Sutra, Sutra von den 4 Grundlagen der Achtsamkeit, Sutra über die volle Vergegenwärtigung des Atems, Sutra über die Kenntnis vom besseren Weg alleine zu leben, Sutra über den besseren Weg eine Schlange zu fangen, Herzsutra und das Avatamsaka-Sutra.


Quelle : www.de.wikipedia.org




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