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Parallelität zwischen dem Buddhismus und Quantenphysik

Freitag 15. November 2013, von Buddhachannel Deutschland

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Was hat die buddhistische Philosophie mit der Quantenphysik gemeinsam, wo begegnen sich die Gedanken des Nobelpreisträgers Albert Einstein mit dem, was für buddhistische Mönche im 9. Jahrhundert Lebensrealität war? Fragen, die immer mehr Menschen sich stellen und die für regen Gesprächsstoff sorgen – in Diskussionsforen ebenso wie in den Redaktionen großer Tageszeitungen und auf Seminaren. Christian Thomas Kohl schlägt die Brücke zwischen östlicher Weisheit und westlicher Logik. Er kennt die Quantenphysik, weil er die östliche Philosophie kennt – und er ermöglicht es dem Leser, seine eigene Definition des Begriffes „Wirklichkeit“ zu finden.

Christian Thomas Kohl über Parallelen von Buddhismus und Quantenphysik

„Was ist Wirklichkeit? Die Denkweisen der moderne Welt haben vier gegensätzliche Antworten auf diese Frage bereit, zwischen denen sie hin- und herpendeln:

1. Die traditionellen jüdischen, islamischen und christlichen Religionen sprechen von einem Schöpfergott, der die Welt zusammenhält. Er stellt die grundlegende Wirklichkeit dar. Würde Er für die Dauer eines Augenzwinkerns von der Welt getrennt werden, so würde die Welt in diesem Augenblick verschwinden. Die Welt kann nur dadurch bestehen, dass Er sie erhält und über sie wacht. Diese Denkweise ist so grundlegend, dass sich selbst viele moderne Naturwissenschaftler ihr nicht entziehen können. An die Stelle eines Schöpfergottes sind Naturgesetze oder elementare Teilchen getreten. Sie sollen allem zugrunde liegen.

2. Eine zweite Denkweise sieht seit René Descartes das Subjekt oder die subjektiven Denkmodelle als grundlegend an. Von ihnen ist alles andere abgeleitet.

3. Nach einer dritten ganzheitlichen Denkweise soll die grundlegende Wirklichkeit aus beidem bestehen, Subjekt und Objekt, alles soll eins sein. Alles soll mit allem verbunden sein.

4. Eine vierte, sehr moderne Denkweise, kümmert sich nicht mehr um die Wirklichkeit. Sie könnte instrumentalistisch genannt werden. Für sie spiegeln unsere Konzepte in gar keiner Weise irgendeine Wirklichkeit wieder. Wir haben es nicht mit einer Wirklichkeit zu tun, sondern mit Informationen.


Der Buddhismus lehnt diese 4 Wirklichkeitsbegriffe ab. Dadurch hat er sich den Vorwurf eingehandelt, nihilistisch zu sein. Wenn man nicht an Gott glaubt, nicht an die Naturgesetze, nicht an ein dauerhaftes Objekt und nicht an ein absolutes Subjekt, nicht an beides und nicht an keines von beidem, woran glaubt man dann? Was bleibt dann noch übrig, das man als grundlegende Wirklichkeit bezeichnen kann? Die Antwort ist einfach, so einfach, das wir sie kaum für eine philosophische Aussage halten: Die Dinge sind abhängig von einander.
Beispielsweise ist ein Ding von seinen Ursachen abhängig, es gibt keine Wirkung ohne Ursache und keine Ursache ohne eine Wirkung. Es gibt kein Feuer ohne einen Brennstoff und keine Tat ohne einen Täter und umgekehrt. Die Dinge sind abhängig von anderen Dingen, mit denen sie nicht identisch sind. Aber sie fallen auch nicht in unabhängige, objektive oder subjektive Bestandteile auseinander.

Mit diesem Wirklichkeitsbegriff ist der Buddhismus oft auf Ablehnung und Unverständnis gestoßen. Allerdings gibt es moderne Denkweisen, die Berührungspunkte mit dem Buddhismus haben. Beispielsweise hat sich auch die Quantenphysik mit der grundlegenden Wirklichkeit auseinandergesetzt. Was ist grundlegend für die Quantenphysik, Teilchen, Wellen, Kraftfelder, Naturgesetze, Denkmodelle oder Informationen? Die Quantenphysik ist zu einem Ergebnis gekommen, das sie mit den Schlüsselbegriffen Komplementarität, Wechselwirkungen und Verschränkungen ausdrückt. Nach diesen Konzepten gibt es keine unabhängigen Quantenobjekte, die Quantenobjekte wechselwirken mit anderen und sie sind sogar dann noch mit einander verschränkt, wenn sie weit von einander getrennt werden.


Ohne dass es philosophisch so richtig bemerkt worden ist, hat die Quantenphysik einen physikalischen Wirklichkeitsbegriff hervorgebracht, nachdem die grundlegende Wirklichkeit aus einem Zusammenspiel von Systemen besteht, die mit anderen Systemen und mit ihren eigenen Bestandteilen wechselwirken. Dieser physikalische Wirklichkeitsbegriff lässt sich nicht mit den vier genannten philosophischen Ansätzen vereinbaren. Wenn die grundlegende Wirklichkeit aus abhängigen Systemen besteht, dann kann sie keine unabhängigen, objektiven Naturgesetze und keine subjektiven Denkmodelle als Grundlage haben, dann ist sie nicht ein mystisches Ganzes und besteht auch nicht nur aus Informationen.“


Quelle : Windpferd




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